Jan 132014
 

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Jet Lag All Stars Radio Show

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Barytprint, 21,7 x 15 cm, (am 27.12.2013 im Studio 9 entstanden), undatiert, unsigniert, unverkäuflich
# 01 bis 70
Barytprint, 21,7 x 15 cm, 2014, signiert, Auflage 30

Auf Einladung von Ach Schuh waren wir am 27.12.2013 zu Gast im Studio 9 des ORF Funkhauses um eine Aktion gegen das berechenbare Bild zu machen. Wir haben ein Labor aufgebaut um live im Radio ein Bild zu printen. Als Negativ haben wir eine Ansicht vom Place de la Republique in Paris ausgewählt, das wir im Oktober 2012 deshalb aufgenommen haben, weil sich hier das Atelier von Louis Jacques Mandé Daguerre befand.

 

 

Aug 212013
 

Portrait post mortem

Portrait post mortem

C-Print auf Aludibond gerahmt, 80×110 cm, 2013, Auflage: 20+2

 

Am 4. Juli 1833 besuchen Joseph Nicéphore Niépce und seine Frau auf Einladung ihres Sohnes Isidore eine Vorstellung des Théâtre de la rue au Fêvre in Chalon-sur-Saône. Auf dem Spielplan steht die Oper Robert le Diable von Giacomo Meyerbeer. Das Bühnenbild der Aufführung stammt übrigens vom bekannten Bühnenbildner Pierre-Luc-Charles Cicéri, bei dem Jaques Louis Daguerre sein Handwerk gelernt hat.
Am nächsten Tag, dem 5. Juli 1833, segnet der Mann das Zeitliche, dem wir die Photographie verdanken. An diesem Tag gibt es in Frankreich weder eine Rue Niépce noch einen Parque Niépce. Erst sechs Jahre später kommt es 1839 in Paris zur Sensation. Frankreich verkündet die Erfindung der Fotografie und Daguerre wird als ihr Erfinder gefeiert. In dem Moment ist vergessen, dass Niépce es war, der nach jahrelanger Forschung 1827 das erste fotografische Bild erzeugt hat. Und obwohl auch Niépce Verdienste 1839 gewürdigt wurden, stand doch Daguerre im Rampenlicht. Ein Licht, dass so stark blendete, dass sich Victore Fouque 1867 bemüßigt fühlte, sein Buch über Leben und Werk Nièpce mit „Die Wahrheit über die Erfindung der Fotografie“ zu betiteln um gleich im Vorwort zu betonen, dass ein Irrtum, sobald er in der Öffentlichkeit einmal verankert ist, eben als Wahrheit angenommen wird.

Doch Niépce hat noch ein weiteres Schicksal zu tragen. Es gab keine Fotografie, die ihn zeigt. Sein Tod fand in der vorfotografischen Zeit statt. Von Daguerre gibt es Fotos, ebenso von Hippolyte Bayard und William Henry Fox Talbot, zwei weiteren Erfindern der Fotografie. Aber von Niépce – nichts! Eine Zeichnung, die ihn als jungen Mann zeigt, eine Büste, die sein Sohn Isidore nach seinem Tod angefertigt hat, und ein Portrait post mortem, das der Maler Léonard François Berger 1854 angefertigt hatte.

Wir sind stolz diesem Irrtum der Geschichte nun eine Fotografie entgegenhalten zu können, die Joseph Nicéphore Niépce zeigt. Denn wenn wir als Grundlage unserer Vorstellung der physischen Erscheinung des Erfinders der Fotografie ein Ölgemälde nehmen, dass zwanzig Jahre nach seinem Tod gemalt wurde, dürfen wir mit gleicher Berechtigung dazu eine Fotografie nehmen, die hundertachzig Jahre nach seinem Tod fotografiert wurde. Und wenn das Ölgemälde eine idealisierte Form der Darstellung unter Einbeziehung des Geistes ist, so reflektiert eine Fotografie umso mehr den Geist des Niépce – dieses Erfinders, der 1827 eine beschichtete Metallplatte in einer Kamera acht Stunden lang belichtet und damit ein völlig unscharfes, grobstrukturiertes Bild erzeugt, das den Blick aus seinem Fenster zeigt und der überzeugt ist, damit der Welt eines Tages einen großen Dienst erweisen zu können.

Jul 232013
 

Cantonale Bern Jura – Weihnachtsausstellung

Kunstmuseum Thun
14. Dezember 2013 – 26. Januar 2014

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Ausstellungsansicht Kunstmuseum Thun

 

Jan 192013
 


Hoffman

Triptichon, 3 Barytprints gerahmt, je 40 x 40 cm, 2012, Auflage: 7+2

 

Das Grundproblem des Tiefensehens:
Das Bild im Auge besitzt zwei Dimensionen, daher ermöglicht es zahllose Interpretionen in drei Dimensionen.

Regel der regulären Ansichten.
Konstruier nur die visuellen Welten, für die das Bild eine dauerhafte (d.h. Reguläre) Ansicht liefert.

Regel 1.
Interpretiere eine gerade Linie in einem Bild stets als eine gerade Linie in 3-D.

Regel 2.
Wenn die Enden zweier Linien in einem Bild zusammenfallen, interpretiere sie stets so, daß sie auch in 3-D zusammenfallen.

Donald D. Hoffman

Es gehört immer wieder zu den verwirrensten Momente, wenn das was wir sehen mit dem was wir wissen nicht übereinstimmt. Wenn wir etwa  in einer zweidimensionalen Abbildung eine dreidimensionale Welt sehen. Dazu brauchen wir schon ein erhebliches Maß an Konstruktion. Visuelle Intelligenz nennt sich diese Fähigkeit und der amerikanische Kognitsionswissenschafter Donald D. Hoffman hat sie in seinem gleichnamigen Werk untersucht. Das Grundproblem des Sehens liegt für ihn daran, dass das Bild im Auge zahllose Interpretationen zulässt.

Zur Untersuchung der Frage, warum wir manche Objekte auf einem Bild dreidimensional sehen und andere nicht, stellt er uns die Zeichnung dreier Würfel vor, die nur aus ihren Kanten bestehen, also durchsichtig sind. Die drei Ansichten zeigen den Würfel aus verschiedener Perspektive, aber nur die mittlere Ansicht lässt uns sofort einen dreidimensionalen Würfel sehen. Bei den äußeren Ansichten ist das nicht so klar und wir brauchen einige Zeit um hier aus Linien ein dreidimensionales Objekt zu konstruieren. Wie gesagt, es sind nur Zeichnungen, (die auf Forschungen des Schweizer Naturwissenschafters Louis Albert Necker (1786–1861) und der deutschen Psychologin Hertha Kopfermann (1902-1987) zurückgehen) anhand derer wir einen dreidimensionalen Würfel sehen. Es ist nur Tinte auf Papier. Und dennoch gibt es den Würfel in unserem Kopf, wir stellen uns den Würfel vor, sehen ihn im Raum schweben, können ihn förmlich berühren. Aber wenn wir das tun, werden wir bitter enttäuscht, weil wir nur Papier unter unseren Fingern spüren werden.

Aber wenn der Würfel so präsent ist, dann kann man ihn auch zum Leben erwecken und fotografieren. Und erst durch die Fotografie ist er real. Man sollten sich trotzdem davor hüten ihn zu berühren.

Fog

Jan 122013
 

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Split, Antalya; 2011

4×5“ Planfilm FP4 und NC 160, gerahmt unter Museumsglas, je 23×29,5 cm, 2011 (ongoing), Auflage: 1

Fog

Film ist empfindlich – auf Licht empfindlich. Aber nicht alle Filme sind gleich empfindlich. Es gibt Filme, die sehen mehr oder weniger Licht. Orthochromatische Filme sehen kein rotes Licht, Infrarotfilme sehen mehr rotes Licht und Farbfilme sehen rot, grün und blau.
Aber Filme sehen auch über das Sichtbare hinaus und so können verschiedene Strahlungen auf dem Film ein Bild in Form eines Grauschleiers (fog) hinterlassen.
Speziell die diversen Scanner auf Flughäfen bereiten daher den AnalogfotografInnen immer Kopfweh. In den Koffer damit, oder doch ins Handgepäck. Und versuchen Sie mal den Sicherheitsdienst davon zu überzeugen, dass man die Filme nicht auf das Laufband legen will. Ja, aber dann bitte alle Filmkapseln aufmachen, damit man sehen kann was drinnen ist.
Uns ist es noch nie passiert, dass ein Film durch einen Flughafenscanner verschleiert wurde. Weder in Eriwan, in New York, in Kapstadt oder in Zürich.
Aber es gibt sie angeblich, die bösen Flughäfen, die Filme kaputt machen. Daher schicken wir zwei Filme, einen Kodak 160 NC und einen Ilford FP4, jeweils unbelichtet mit dem Flugzeug auf Reisen. Nicht nur um einen zu agressiven Scanner zu finden, sondern auch um dem rätselhaften Material Film zu huldigen. Welche Strahlen wie den Film belichtet haben ist nicht immer vorhersehbar und wird erst durch die Entwicklung sichtbar. In der Zeitspanne zwischen Aufnahme und Entwicklung ist zwar das Bild schon gespeichert aber nicht sichtbar. Es ist ein Phantom, in der Sprache der Photographie latentes Bild genannt. Niemand weiß genau wie dieses Phantom aussieht und erst die Entwicklung und Fixierung bringt Gewissheit. Dieser Zustand des latenten Bildes gehört zu den nervenaufregensten Momenten in der Fotografie. Hat man ein Bild für die Ewigkeit gemacht, oder nur ein Phantom produziert?
Mit Fog versuchen wir dieses Phantom einzufangen.

Res

Jan 122013
 

 

Res

5 C – Prints, 120x168cm, 2008, Auflage: 5+2

  • Chemiegebinde #01 – Agepon 1l
  • Chemiegebinde #02 – LC 21 250ml
  • Chemiegebinde #03 – Hypo Eliminator 475ml
  • Chemiegebinde #04 – CPRA Digital Pro 2,1l
  • Chemiegebinde #05 – Rodinal 125ml

Warum fotografiert ein zweiundfünfzigjähriger Fotograf, der die Höhepunkte seiner prägenden Karriere schon hinter sich gelassen hat, banales Werkzeug?
Assistiert von Robert Frank macht sich Walker Evans 1955 daran fünf wohl ausgewählte Werkzeuge für das Portfolio „Beauties of the Common Tool“ zu fotografieren. Scheinbar reicht ihm die Schönheit und Form verbunden mit der Banalität dieser Dinge.
Da wollen wir keinen Widerspruch leisten, denn wir wissen, dass die Existenz der Dinge letztendlich davon abhängt, dass sie wahrgenommen werden oder auch nur wahrgenommen werden könnten. Und wenn man dem Sensualismus glaubt, dann ist die Fotografie der Bote dieses Glaubens. Denn ist es nicht so, dass uns die fotografische Abbildung der Dinge viel zu deutlich zeigt, dass erst die Wahrnehmung deren Existenz begründet. Denn die Fotografie ist nicht die Kopie des Dings, sondern die Kopie der Wahrnehmung des Dings.
Und so haben wir uns daran gemacht dieses Talent der Fotografie zu nutzen, und uns die Frage gestellt wie es denn mit der Kopie des Dings gehalten wird. Die Kopie eines Dings, wie eines Chemiegebindes, das durch die Entleerung der Chemie also völlig bedeutungslos geworden ist, wird durch die Kamera wahrgenommen und fotografiert. Ja und das Kopieren vernichtet die Existenx des Objekts nicht nur nicht, sie erhöht sie und wir stellen nicht nur fest, dass die Dinge wahrgenommen sind, sondern dass sie dieser Prozess zu schönen Dingen macht.
„Ob der Fotograf nun ein Künstler ist oder nicht“, darum kümmert sich Walker Evans wenig. Denn „er ist ein glücklicher Sinnesmensch allein deswegen, weil das Auge sich an sinnlichen Empfindungen reibt und nicht an begrifflichen Vorstellungen.“

Jan 222010
 

Binnenland – Kontextbezogene Schriftprobe Nr. 1: The result is constantly influenced by the technologies

Michael Mischler und Nik Thönen eröffnen mit der Publikation Binnenland einen Diskurs über ihre gleichnamige Schriftentwicklung. Idee ist „durch nicht vordergründige, aber vermutete Verwandschaften (…) neue Interpretationsformen (…) zu versammeln“. Die Arbeit Res wird in diesem Zusammenhang der Schrift Korpus entgegengesetzt.

Publikation zu beziehen über: binnenland.ch

Jan 152010
 

Bestform 10


Bernische Stiftung für angewandte Kunst und Gestaltung

Kornhausforum, Kornhausplatz 18, Bern
14. Januar 2010  –  7 February 2010

The result is constantly influenced by the technologies:

‚Korpus‘ font developing, binnenland – Michael Mischler & Nik Thoenen

‚Res‘ photographic work of Petignat/Scholz-Jakszus
: Chemiegebinde 05 – Rodinal 125ml

Nov 112008
 

Das letzte Labor

Mit dem letzten Labor betreten wir nicht nur einen Arbeitsplatz sondern ein Mythos. Hier wird nicht verwaltet, hier wird praktisch gearbeitet – mitunter an Experimenten. Aber oft genug wird hier aus dünnen, kleinen bis mittelgroßen, durchsichtigen und negativen Folien Bilder gemacht. Und so ist es auch ein geheimer Ort, denn Bilder haben Macht, Folien höchstens Erinnerung. Sogar das Licht muss oft draußen bleiben, um die Geheimnisse nicht allzubreit zu zeigen – nur ein Teil davon, ein gelb-grüner oder roter, aber niemals ein blauer, darf beim arbeiten dabei sein. Und von Arbeit ist hier die Rede, weil das Labor nonchalante betrachtet vom lateinischen laborare stammt. Als das Wort aber noch in aller Munde war, waren es die Sklaven die die Arbeit erledigten und so ist diese Bedeutung gewiss auch zu kurz gegriffen. Sich abmühen, plagen, schinden und sogar leiden ist laborare. Alles im Dienste der Bilder.
Und das Labor ist kein wirtlicher Ort. Dunkel und muffig, zuviel Chemie und zuwenig Luft, im Winter kalt im Sommer heiß – die Stunden hier zählen dreifach. Aber das alles ist nur Tarnung um nicht allzuviel preisgeben zu müssen. Denn die leidenschaftlichen Zeiten im Labor finden ihren direkten Abdruck im Bild. Trotzdem, das Labor hat seinen Platz verloren, auch wenn wir noch so sehr trauern. Bilder wollen nunmehr cool sein und nicht leidenschaftlich. Sie wollen sich klein zusammenpressen lassen können und an jedem Ort wieder aufpumpen. Ohne Chemie und Licht wollen sie sich einfach ausrechnen lassen .